22.10.14 // „Wir können nicht mehr“

Oldenburgische Volkszeitung // Führung des Sozialdienstes katholischer Frauen (SKF) Vechta informiert CDU-Politiker über finanziell angespannte Lage bei Betreuungsarbeit
Vechta (LCV) Über die bundesweit finanziell angespannte Lage in der Betreuungsarbeit haben Vorstand und Mitarbeiterinnen des Sozialdienstes katholischer Frauen in Vechta am Montag, 20. Oktober, die CDU-Politiker Franz-Josef Holzenkamp und Stefan Siemer informiert.

Danach sei beim SkF Vechta in den letzten Jahren ein zunehmendes Defizit im Betreuungsverein entstanden. „Wenn wir rein unter wirtschaftlichen Aspekten arbeiten würden, hätten wir schon schließen müssen“, brachte es SkF-Vorsitzende Waltraud von Laer auf den Punkt. Geschäftsführerin Silja Meerpohl: „Wir können nicht mehr.“ Bundesweit hätten bereits einige der 800 katholischen Betreuungsvereine ihre Arbeit einstellen müssen.

„Und am 15. eines Monats Klienten zu sagen, ‚Das Kontingent ist ausgeschöpft‘, geht nicht‘“, waren sich alle einig. Finanzierte sieben Stunden seien bei einem neuen Betreuungsfall jedoch dann schnell von Nöten, wenn ein 22-Jähriger mit einem Wäschekorb voller ungeöffneter Briefe käme. Darunter Rechnungen, Mahnungen oder Schreiben der Krankenkassen.

Vergütet würden derzeit 44 Euro pro hauptamtlicher Betreuungsstunde. Um die tatsächlich entstehenden Kosten zu decken, wären 55 Euro erforderlich, so Meerpohl, die daher eine Anpassung des Betreuungssatzes aus dem Jahr 2005 fordert.

Ein für Siemer und Holzenkamp nachvollziehbares Anliegen. „Das muss geregelt werden“, sagte Holzenkamp. Wenn diese Arbeit wegbrechen würde, „ist alles andere teurer“, so der Bundespolitiker zur „beeindruckenden Leistung“ des SkFs. Er versprach, sich sowohl im Justiz- als auch im Finanzministerium in Berlin für eine Änderung einzusetzen.

Dass die Zahl der Betreuungen zunehme, bestätigte auch die Leiterin des Sozialamtes im Landkreis Vechta, Angelika Wehebrink. Vor allem bei psychischen Erkrankungen stiegen die Fallzahlen.

Fünf Hauptamtliche (2,8 Vollzeitstellen) betreuen derzeit beim SkF 128 Personen. Weitere 70 ehrenamtliche Betreuer noch einmal 120 Männer und Frauen. Entgegen der landläufigen Meinung seien zwei Drittel aller Betreuten unter 60, führte Fachbereichsleiter Ulrich kl. Stüve aus. Notwendig werden könne eine solche Maßnahme zum Beispiel durch einen vorausgegangenen Schlaganfall, Herzinfarkt oder Verkehrsunfall.

Insgesamt sind derzeit 38 hauptamtliche und 230 ehrenamtliche Mitarbeiter für den SkF Vechta tätig. Die Betreuungsarbeit ist eines von sieben Arbeitsfeldern des katholischen Fachverbandes.

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